Cannes Interview – Eric/Luca

Eric Markowski und Luca Schneider von Havas Zürich haben die Schweiz als Young Lions in der Kategorie Cyber vertreten. Im Interview mit Hype5 erzählen sie von ihren Erlebnissen.

Geposted am 1. Juli 2014 von Patrick Ryffel

Luca_EricIhr habt zwei Tage im Keller des Palais verbracht und seit in der Young Lions Cyber Competition gegen Teams aus aller Welt angetreten. Wie war’s?
Um 16:00 Uhr startete das Briefing. Es gab eine kleine Einführung von den Veranstaltern, dann das Briefing vom Kunden und zuletzt noch ein bisschen Data von den Facebook-Menschen. Das war ein riesiger Berg an Informationen und eine wirklich harte Aufgabenstellung. Ordnung im Kopf schafften wir dann beim Libanesen an der Ecke. Dabei sind uns auch schon erste Ideen gekommen. Zurück im Hotel ging es dann weiter und wir erarbeiteten und finalisierten unsere Massnahmen. Der nächste Tag war hart. Um 8:30 mussten wir wieder im Keller erscheinen und mit der Exekution starten. Box 41 brachte uns leider kein Glück. Denn diese war direkt auf der anderen Seite vom Cafe. Die Eiscrush-Maschinen ratterten die ganze Zeit, Bestellungen wurden durch den Raum gebrüllt und zu guter Letzt ist auch noch eine der Maschinen ausgelaufen – direkt in unsere Box. Doch die Schweiz hält ja zusammen und die anderen Young Lions brachten uns Kopfhörer. So konnte uns auch die Putzfrau, die mit ihrem Sauger gegen die Wassermassen kämpfte, nicht mehr aus der Ruhe bringen. Umso weiter die Uhr runtertickte, desto mehr stieg der Druck. Doch wir haben alles rechtzeitig abgegeben.

Worum ging es im Briefing und was war eure Idee dazu?
Die Aufgabe war es, die Regierungen in Entwicklungsländer dazu zu bewegen, mehr Geld in ihre Gesundheitssysteme zu stecken, um vermeidbare Blindheit zu heilen. Mit einer Social Media Kampagne sollten wir die Bevölkerung dazu motivieren, Druck auf ihre Regierung auszuüben. Die Schwierigkeit lag darin, dass die Menschen nur über ältere Telefone verfügen, mit denen sie maximal Facebook und Twitter nutzen können und vielleicht noch ein Bild knipsen können. Dazu sind die Menschen fast nur mobil online. Deshalb haben wir einen einfachen Weg gewählt, wie die Menschen sich Gehör bei ihrer Regierung verschaffen können. Unsere Idee trug den Titel „Don’t be blind for the blind“ und wir haben die Menschen dazu aufgerufen, ihr geöffnetes Auge zu fotografieren, es mit dem Hashtag #selfeye und dem Verantwortlichen ihrer Regierung zu vertaggen. Damit jedes Mal, wenn die Social Media Profile der Regierungsbeamten überprüft werden, tausende Augen auf sie gerichtet sind und sie die persönlichen Geschichten ihrer Einwohner lesen können. Wir fanden die Idee von Anfang an gut und tun das auch noch immer.


Luca_Eric_3Wenn man nicht das erste Mal dabei ist, kann man das als Vorteil nutzen? Oder ist der Druck höher?

Natürlich gibt es eine Erwartungshaltung an seine Teilnahme. Doch es macht keinen grossen Unterschied, ob man jetzt einmal oder zweimal dabei war. Am Ende steht jeder vor demselben Problem. Und zwar in 24 Stunden ein gute Idee abzuliefern.

Gewonnen hat Rumänien, vor Spanien und Russland. Verdient?
Wir gönnen jedem Team den Sieg – wirklich! Denn wir alle haben hart an unseren Ideen gearbeitet. Doch die Jury-Entscheidung kann man manchmal nur schwer nachvollziehen. In einigen Kategorien haben Teams gewonnen, die fernab von Brief gearbeitet haben. In der Siegerarbeit unserer Kategorie ging es darum, die Produkte in einem Online-Shop auszublenden und vorlesen zu lassen, damit man weiss, wie man sich als Blinder fühlt (grob zusammengefasst). Wir wissen nicht, inwieweit mobile Shopping in Ländern wie Kenia in der Bevölkerung verbreitet ist, die sich nicht einmal für 25 Dollar eine Augenoperation leisten können und ob diese Technik auf alten Telefonen überhaupt funktioniert, aber naja… so spielt das Leben. Aber es ist schon schade, dass die Jury nicht beim Briefing anwesend ist und nur kurz Zeit hat sich die Charts anzuschauen. Das wäre auf jeden Fall ein Punkt, der mal angegangen werden könnte. Aber es war ein tolles Gefühl sich mit allen anderen messen zu können. Vielleicht schaffen wir es ja im nächsten Jahr.

Hattet ihr nach dem Wettbewerb auch noch Zeit, um vom Festival zu profitieren?
Wir haben eigentlich alle spannenden Vorlesungen mitgenommen und auch allerlei Nachtaktivitäten ausgekostet. Alles in allem eine sehr gelungene Woche.

 

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