5vorCannes – Lions Predictions 2016

Nächste Woche werden in Cannes wieder die begehrten Löwen verliehen. Wer geht dieses Jahr als Favorit ins Rennen? Welcher Aussenseiter könnte überraschen? Hype5 hat drei Experten gefragt.

Geposted am 19. Juni 2016 von Patrick Ryffel

 

Thomas Wildberger, Publicis Zürich

Das grösste Festival der Welt muss natürlich auch ein bisschen Geld verdienen. Das geht am besten mit noch mehr Einsendungen. Deshalb gibt es mal wieder eine neue Kategorie. Dieses Jahr: Die Entertainment Lions for Music. Wie so oft weiss man bei neuen Kategorien noch nicht so richtig Bescheid. Schon gar nicht, in welcher der unzähligen Unterkategorien der jeweilige Case nun am besten aufgehoben ist. Hier zwei Tipps von mir, die garantiert in irgendeiner Entertainment-Kategorie einen Löwen gewinnen werden:

1. Fiber One: Expecting – gewinnt vermutlich „Use of an Artist“. Ein berühmter Popmusiker soll ein Song zum Thema Schwangerschaft schreiben und produzieren? Nichts leichter als das für Michael Bolton. Nur hat man ihm beim Briefing wohl doch nicht so ganz die Wahrheit gesagt. Aber sehen Sie selbst. Und zwar zuerst das Making Of, dann den Spot:

2. EA Sports: Play Beautiful (vermutlich „Best Music“). 2016. Endlich mal wieder eine gerade Jahreszahl. Das bedeutet nämlich EM oder WM. Und das bedeutet viele Spots zum Thema Fussball. Hier einer für EA Sports, in welchem ein Musik-Genre zum Einsatz kommt, welchem die Trampelherde normalerweise nicht besonders zugeneigt ist: Oper. Man hat aber nicht einfach ein bekanntes Stück eins zu eins verwendet, sondern alles eigens für den Spot neu arrangiert, getextet und produziert:

 

Folker Wrage, Havas Zürich

So beeindruckend Arbeiten wie „Like A Girl“ auch gewesen sein mögen – ich bin ein wenig übersättigt von dieser Mechanik. Schön, wenn man sich ein wichtiges Thema nimmt, es unterhaltsam nutzt, um seine Marke zu stärken, aber mir machen jetzt Cases Freude, die den entgegengesetzten Weg gehen und die Marke brilliant, aufregend, intelligent erlebbar machen. Ein Beispiel ist das Friedensangebot von Burger King an McDonald’s – ein grossartiger PR Stunt, der endlich einmal das tut, was ein Underdog tun sollte, nämlich den grossen fantasielosen Riesen richtig schön alt aussehen lassen. Oder die Aktion zum Start von „Rise of the Tomb Raider„. Da hat man einfach Fans auf einem riesigen Billboard platziert und sie 24 Stunden lang unter widrigsten Umständen zeigen lassen, wie hart sie im Nehmen sind. Da stimmt einfach alles. Überhaupt gibt es immer mehr Cases, bei denen PR gleich mit eingebaut ist. Das fällt angenehm auf.

Bestimmt wird in Cannes auch die dämliche Debatte über den bevorstehenden Tod des Fernsehens und des TV Spots weitergeführt. Dabei spielen bewegte Bilder eine immer grössere Rolle, Film wird immer vielfältiger und aufregender. Mehr muss man dazu nicht sagen. Als Beweis reicht der grandios umgesetzte „High School Girl?“ Film von Shiseido. Und ohne dass man hier einen bewussten Beitrag zur globalen Gender Diskussion vermuten muss, tut der Film in diesem Umfeld richtig gut. Irgendwann versteht man dann auch hierzulande, dass Film fürs Web nicht billiger sein kann als fürs Fernsehen.

Einen kleinen privaten Favoriten habe ich noch – einfach weil ich das Art Institute of Chicago immer schon geliebt habe. Und ihre Idee, zu einer Ausstellung, bei der zum allerersten Mal alle drei Versionen von van Goghs „Schlafzimmer in Arles“ gemeinsam gezeigt wurden, das Schlafzimmer real nachzubauen und auf AirBnB anzubieten, finde ich schlau und schön zugleich.

 

Ralf Kostgeld, Renzen Communications

Mein erster Favorit ist „Van Gogh BnB“ für das Art Institute of Chicago, weil es eine enorm frische Idee ist, wie man andere Firmen als Plattform für sich selbst nutzen kann. Das nachgestaltete Zimmer eines Bildes von Van Gogh hat das Publikum animiert in ein Kunstwerk „hineinzusteigen“ und mit allen Sinnen zu erleben. Die Aktion hat begeistert: Nach 5 Minuten war der erste Block schon vermietet. Nach einer Woche Media Coverage in über 100 Ländern. Was will man mehr: Kreativität trifft Effizienz.

Mein zweiter Favorit ist das brainBand Projekt von Samsung. Ein weiteres perfektes Beispiel für das smarte Zusammenspiel von Kreativität und Technologie, wie die letztjährige grossartige Idee „Clever Buoy“ von Optus.

 

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