Cyber Lions – 5 Experten, 12 Favoriten

Die Kategorie „Cyber“ gewinnt beim Cannes Lions Festival Jahr für Jahr an Bedeutung. Auf Hype5 verraten 5 Kreativchefs von Schweizer Digital-Agenturen, wer ihrer Meinung nach gute Chancen auf einen Löwen hat.

Geposted am 17. Juni 2013 von Patrick Ryffel

 

Livio Dainese, Hinderling & Volkart
Aus meiner Sicht ist „Mimesthai“ ein heißer Favorit für einen Cannes Löwen: „Mimeisthai“ ist Twitter ohne Smartphone, Pad oder Computer. In den Pausen zwischen den Vorträgen von TEDxSydney sollte das Publikum die Möglichkeit haben, das Thema „REAL.LIFE.NOW“ zu erleben. Mimeisthai ist eine „Spoken-Word Trending Engine“ – mit Richtmikrophonen wird aufgenommen, worüber das Publikum im Sidney Bay 17 Theater  spricht. Diese Gesprächsfetzen werden wiederum auf dem Screen im Saal und auf einer Website visualisiert. Die Leute erfahren nicht nur, was ihr Sitznachbar sagt, sondern was das Publikum als ganzes sagt. Die Idee gehört zu den Favoriten, weil sie das Thema der Konferenz perfekt umsetzt und dem Motto von TED (Ideas worth spreading) gerecht wird. Und, weil die Umsetzung trotz sehr viel Technik einfach, involvierend und menschlich ist.

 

Bruno Manser, Goldbach Interactive
Traditionellerweise haben die Google Geschichten in Cannes immer grosse Gewinnchancen. Für dieses Jahr sehe ich zwei Google Chrome Experimente in der Favoritenrolle für einen Cyber Lion: Zum einen die „Google Web Labs“ von B-Reel: eine spannende Verknüpfung von Virtualität und Realität durch Live-Aktion im Science Museum in London. Und zum anderen „Google Ramayana“ (Casefilm: siehe unten). Das grosse indische Epos neu erzählt in der digitalen Welt von Google – interessantes Storytelling und wunderschöne Umsetzung. Aus Schweizer Sicht erachte ich die Tricky Tracks von Maxomedia für die SBB als chancenreichsten Anwärter auf einen Cyber Lion. Ich hoffe, dass dieses ausgezeichnet umgesetzte und im Bereich Unity3D neue Massstäbe setzende Game in Cannes etwas gewinnen wird.

 

Roger Rüegger, Publicis
Auf gutem Weg, in Cannes gross abzuräumen, dürfte in diesem Jahr ohne Zweifel Metros „Dumb Ways to Die“ sein, wie auch Doves Kreativplattform „Real Beauty“ mit den „Sketches“ 8 Jahre nach „Evolution“ zweifellos wieder grosse Chancen auf Edelmetall haben dürfte. Beide haben auf unnachahmliche Weise aufgezeigt, wie man grosse Massen für ein Thema glaubhaft sensibilisieren kann. Fast spannender aus Sicht der Cyber Lions wird es aber vermutlich, wie sich die medial klareren digitalen Sites wie Perriers „Secret Place“ behaupten werden. Und ich bin gespannt, wie oft wir Googles Chrome Experimente auf dem Podest sehen werden, wie beispielsweise das grandiose „Chrome Maze“, das Mobile und Desk verbindet (siehe unten). Auf Marken-Ebene gehe ich davon aus, dass die digitalen Projekte von Oreo den einen oder anderen Löwen anlocken werden.

 

Jeff Gerber, Notch Interactive
Mein erster Favorit ist „Call of Duty – Black Ops II“. Diese Kampagne hat rein schon vom zu bewerbenden Inhalt die besten Voraussetzungen für einen Löwen. Der Insight der Kampagne (die Game-Community findet die „Call of Duty“-Serie nach acht Titeln langsam etwas langweilig) wurde mit dem Konzept „Surprise“ im wahrsten Sinne überrasschend dramatisiert. Besonders gefallen mir nebst dem Haupttrailer die Virals um den Youtube-Star FPS Russia sowie der Film „The Replacer“, in welchem einem eine illustre Figur anbietet das Leben zu organisieren, während man selber mit gamen beschäftigt ist. Und wie Insider wissen, wurde die Kampagne unter anderem von einem Schweizer Art Director und seinem brasilianischen Texter mitentwickelt. Die Resultate der ganzen Kampagne sind beeindruckend.

Mein zweiter Favorit ist die Kampagne „Hashtag Killer“. Diese kleine aber sehr clevere Kampagne überzeugt durch die Verwendung eines gesellschaftlichen Trends – dem Hashtag #firstworldproblems. Social Media, insbesondere Twitter, wird hier mit einer sehr simplen aber schlauen Idee zum Carrier einer karitativen Botschaft. Wenn Charity, dann bitte so.

 

Conrad Malcher, Webguerillas
Ganz klar: „Dikembe Mutombo’s 4 1/2 Weeks to Save the World“ von Old Spice ist grossartig. Es gab eine Menge Kampagnen, die sich im vergangenen Jahr ans Thema „Weltuntergang“ gehängt haben. Warum auch nicht – ist ja DER Hollywood-Trend Nummer 1. Aber diese hier sticht einfach heraus. Weil sie einfach verdammt witzig war.
Das einfache 8-bit-Game ist nicht nur ein Fest für Gamer, sondern passt mit dem charmanten Humor auch perfekt zur Marke Old Spice, wenn der ehemalige Basketball-Profi Dikembe Mutombo nur 4,5 Wochen Zeit hat, um die Welt vor ihrem Untergang zu bewahren und zum Beispiel die USA vor dem Gangam-Hype bewahrt. Das Spiel hat die User extrem lange gefesselt (die Levels wurden Schritt für Schritt aufgeschaltet) und wurde zum Hype auf Facebook und Twitter.

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